Die Karbatsche

 

Was ist denn das für eine lange Peitsche? Warum knallt die denn so laut? Warum macht ihr das denn? Das sind nur einige der  vielen fragen die immer wieder auf uns zukommen, wenn wir an der Fasnet mit unseren Karbatschen auftauchen. Diese Fragen werden uns aber nicht nur in Gegenden gestellt in denen die Karbatsche in dieser Form vollkommen unbekannt ist, nein auch im Süddeutschen Raum in dem sie ja öfters anzutreffen ist und  sich bei neuen Zünften immer größerer Beliebtheit erfreut werden wir mit solchen Fragen konfrontiert.

Mit diesem Bericht wollen wir ein wenig Licht ins Dunkel bringen und hoffen das wir alle Fragen zum größten Teil beantworten können.

Die Karbatsche ist eine zwischen 2 und 5 m lange Fasnachtspeitsche, die mit gekonnten Bewegungsabläufen und viel Kraftaufwand über dem Kopf geschwungen wird. Die Karbatsche wird in den Regionen Linzgau, Bodensee und Oberschwaben sehr oft, in Verbindung mit der Fasnacht angetroffen. “Karbatsche, die (poln. karbacz; türk. kyrbatsch), lederne Hetzpeitsche“ erklärt Herders Konversationslexikon von 1910. „Karbatsche (russ. aus türk. kyrbatsch) die, starke, aus ledernen Riemen geflochtene Peitsche“ heißt es kurz und knapp im Großen Brockhaus von 1955.Wer im neueren Lexikon nachschaut, findet unter „Karbatsche“ nichts mehr. Dieser Gegenstand hat offenbar so an Bedeutung verloren, dass er keiner Erklärung mehr wert ist. Die Karbatsche fand über die Vorderösterreichischen Gebiete Verbreitung am Bodensee. Es wäre also möglich, das eine 1782 in Überlingen liegende Werbestation des K. u K. Regiments Tercky diese hier bekannt gemacht hat.1789 wird die Karbatsche erstmals in einem Ratsprotokoll in Überlingen erwähnt. Vor 1900 gab es oft auch aus Leder geflochtene Karbatschen, es sind noch wenige Exemplare vorhanden. Karbatschen dienen in Ungarn , Rumänien, und anderen Ländern in Osteuropa den Viehhirten als Rinderpeitsche. Sie sind dort heute noch in Gebrauch, wovon man sich beim Urlaub in der Pussta unschwer überzeugen kann. Wie schon erwähnt waren die ursprünglichen Rinderpeitschen aus geflochtenem Leder ( man kann  es bei Karl May nachlesen, dessen Freund und Diener Halef als „ Meister der Kyrbatsch „ manchen Feind von Kara Ben Nemsi in die Schranken wies). Die heutigen Karbatschen für die Fasnacht werden aus Hanf gemacht, das sich aufgrund seiner Festigkeit dafür ganz besonders eignet. Hanf wird heute vor allem in China, Indien, Russland und der Türkei angebaut und verarbeitet. Da die Pflanzen nicht nur zur Produktion von Fasern, sondern auch zur Herstellung von Rauschgift ( Haschisch) benützt werden können, war in Deutschland der Anbau über Jahrzehnte  verboten.

Heute sieht man wieder die ersten Hanfpflanzungen, auch am Bodensee. Verwendet werden natürlich Sorten, die sehr wenig der Chemikalien enthalten, aus der Haschisch gemacht wird. Die aus Hanfschnur zopfartig geflochtenen Schnüre verdünnen sich bis zur Triebschnur, an der ein Bändel ( Zwick) eingeflochten wird. Das Gewicht einer Karbatsche sollte bei einer Länge von 3,80 z.B. 850 g betragen. Den ohrenbetäubenden Lärm verursacht eine dem Schwung entgegen gesetzte Bewegung, bei der das Endstück, mit dem so genannten Bändel (Zwick), auf enorme Geschwindigkeit beschleunigt wird, was sich mit dem durchbrechen der Schallmauer eines Düsenjet vergleichen lässt und einen unüberhörbaren Knall nach sich trägt. Die Buben und Mädels lernen diese Kunst von Kindsbeinen an bei uns. Aber auch Erwachsene die das schlagen (Schnellen) erlernen wollen sind bei dem Karbatschentraining im Vorfeld der Fasnet bei uns immer kräftig am üben. Der Sinn des Schlagen besteht  darin, das wir den Winter der zu damaligen Zeiten ja nicht gerade beliebt war mit dem beim Schlagen entstehendem Lärm austreiben wollen.

Wir hoffen nun ein Paar Fragen zu dem Thema Karbatsche geklärt zu haben und wünschen allen Narren ein schöne Fasnet.